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von unserem Verein, von jungen Menschen aus Ghana und was sonst noch so passiert!

Wenn ich groß bin…

von | Okt 2020 | Veröffentlichungen

…geh ich zu Judith nach Ghana!

Am 18.09.20 berichtete Tom Strick aus Vallendar in der Aula von Haus Wasserburg über seinen Freiwilligendienst in Ghana und seine persönliche Beziehung zum deutschen Verein „Kindern Zukunft geben Ghana e.V.“ sowie zu dessen Gründerin Judith Scholz aus Urbar.

„Meine Mutter und Judith waren zusammen auf der Schule und ich kenne Judith schon, seit ich sehr klein war. Unser erstes Patenkind hatten wir, da war ich in der Grundschule.“

Zu dieser Zeit bekam das Team um Judith Scholz in Ghana – der heutigen „All Smile Together Foundation“ die ersten Freiwilligen aus Deutschland, und für Tom stand gleich fest: da will ich nach der Schule hin. Gesagt und getan – ca. 10 Jahre später war es soweit und der junge Mann machte sich tatsächlich auf den Weg nach Ghana. Zu dem Zeitpunkt konnte er noch nicht ahnen, dass sein Aufenthalt im Team von Judith Scholz bereits nach 8 Monaten vorzeitig beendet werden würde…

Tom als freiwilliger Helfer in Judiths Team

Aber zurück zum Vortrag, den Pater Alexander Diensberg von den Pallottinern in Vallendar gemeinsam mit Familie Strick plante und organisierte, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Es sollte sowohl Zuschauer vor Ort als auch zuhause vor dem PC geben, was sich technisch gesehen als eine große Herausforderung erwies. Zumal auch Judith Scholz von ihrer Farm in Ghana aus zugeschaltet wurde, was leider nur mit Einschränkungen gelang.

Aber auch trotz aller technischer Komplikationen sollte es ein informativer und unterhaltsamer Vortrag werden, der deutlich machte, wie komplex und vielseitig die verschiedenen Projekte der beiden Vereine sind, und wie kompetent und durchdacht sie von Judith und ihren Mitarbeitern in Ghana geplant und durchgeführt werden. Das Kern-Team ist denkbar klein, es besteht nur aus Judith Scholz, Sozialarbeiterin und Dolmetscherin Faida Sulley, Buchhalter Seth Gyimah und dem jeweils aktuellen Freiwilligen. Umso beeindruckender war es für alle Teilnehmer, vor Ort und online, zu sehen, was dieses kleine engagierte Team bisher auf die Beine gestellt hat – alles unter dem Motto: Bildung als Weg aus der Armut.

Angefangen hatte alles vor 14 Jahren, als Judith nach Ghana zog, eine Handvoll Kinder aus einfachsten Verhältnissen betreute und ihnen eine Schulbildung ermöglichte. Die Kinder wurden und werden in ihren Familien und an ihren Schulen eng betreut. Dieses erste „Schulkinderprojekt“, finanziert durch Patenschaften aus Deutschland, wurde immer größer, und die betreuten Kinder immer älter. Bald war klar, ein Schulabschluss allein reicht nicht aus, und es entstand das „Ausbildungsprojekt“.

Die Ausbildungsbetriebe in Ghana verlangen eine Ausbildungsgebühr von ihren Auszubildenden, Geld, das unsere Schützlinge selbst nicht aufbringen können. Also unterstützt das Team die Auszubildenden bei der Auswahl des geeigneten Berufs und des Ausbildungsbetriebes und handelt die Konditionen aus. Auch bei allen Fragen und Problemen während der Ausbildung stehen die Mitarbeiter den jungen Menschen stets mit Rat und Tat zur Seite. So entstehen über die Jahre enge und vertrauensvolle Bindungen zu den jungen Menschen.

Einige Schützlinge konnten sogar einen höheren Bildungsweg einschlagen und studieren!

Angehende Schneiderinnen in selbstgenähter traditioneller Tracht

Als nächstes Projekt wurde ein Ausbildungszentrum für junge Frauen geschaffen, die dort zu Schneiderinnen und Designerinnen ausgebildet werden und im Zentrum gemeinsam wohnen, lernen, kochen, essen und vieles mehr. So stehen auch regelmäßige Sporteinheiten im Lehrplan und eine von Toms Aufgaben war es, diese Sportstunden zu gestalten und mit den Mädels durchzuführen, mit viel Spaß und Erfolg! Das Zentrum ist staatlich anerkannt, so dass die Frauen ihre Ausbildung nach erfolgreicher Prüfung mit Zertifikat abschließen können.

All diese Projekte werden ausschließlich über Spenden und Patenschaften finanziert und sowohl Tom als auch Judith dankten im Laufe des Vortrages für die langjährige, großzügige Hilfe und Unterstützung aus Deutschland.

Tom mit zwei jungen Müttern aus dem Girls Empowerment Project

An diesem Abend im Haus Wasserburg kamen auch die beiden jüngsten Projekt zur Sprache: Mit dem „Teenage Pregnancy Prevention-Projekt“ widmet sich das „All Smile Together Foundation“-Team einem großen Problem – der hohen Anzahl an Teenager-Schwangerschaften. Und über das „Girls Empowerment-Projekt“ erhalten junge Mütter auch mit Kind die Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren. Beide Projekte werden von der Knodel-Foundation unterstützt und finanziert.

Judith und ihre Mitarbeiter haben sich zum Ziel gesetzt, an 7 Schulen in drei Kommunen die Anzahl von frühen Schwangerschaften zu senken, entwickelten ein sehr gut durchdachtes Konzept und arbeiten intensiv gemeinsam mit den Schuldirektoren, Lehrern, Eltern und natürlich den Kindern daran, dieses Ziel zu erreichen.

Oder vielmehr: sie arbeiteten daran, denn die Corona-Pandemie hat das gesamte Bildungssystem in Ghana besonders hart getroffen, wie Judith und Tom in ihrem Vortrag eindrücklich schilderten.

Sämtliche Schulen wurden im März dieses Jahres geschlossen, und es wird voraussichtlich bis Januar 2021 dauern, bis endlich alle Kinder wieder am Unterricht teilnehmen können. Ein harter Schlag für alle Projekte in Ghana! Das „Teenage Pregnancy Projekt“ ruht momentan, auch unser Ausbildungszentrum musste vorübergehend geschlossen werden. Die Ausbildungsbetriebe laufen nur eingeschränkt, natürlich leidet darunter die Ausbildung.

Besondere Schützlinge – die taubstummen Mädchen des Schulkinderprojektes

 Besonders schwer ist es momentan für die taubstummen Mädchen aus dem Schulkinderprojekt, die ganz plötzlich ihr Internat verlassen und in ihre Familien zurückkehren mussten, in denen niemand die Gebärdensprache beherrscht. Die Mädchen vermissen das „Sprechen“, ihre Schulkameradinnen und ihre Lehrer sehr!

An diesem Abend im Haus Wasserburg war deutlich zu spüren, welche Bedeutung der Aufenthalt in Ghana für Tom Strick hatte. Es sei für ihn sehr schwer gewesen, als er im März ganz abrupt seinen Freiwilligendienst abbrechen und nach Deutschland zurückkehren musste.

Auch für Judith Scholz ist es ein schweres Jahr. Zu den aktuellen Sorgen vor Ort fiel natürlich auch ihr alljährlicher Besuch in der Heimat flach. Kraft und Halt finde sie auf ihrer Farm mit ihren Tieren und bei Gott, den sie immer an ihrer Seite wisse.

Abschließend stellte Pater Alexander Diensberg die Frage, welche Möglichkeiten es gäbe, den Verein „Kindern Zukunft Geben Ghana e.V.“ in Deutschland und die Partnerorganisation „All Smile Together Foundation“ in Ghana zu unterstützen. Da Judith Scholz leider Netz-bedingt nicht mehr zugeschaltet war, übernahm Tom die Antwort. Der Verein finanziere die Arbeit vor Ort durch Patenschaften, wie sie ja bereits viele Menschen aus der Verbandsgemeinde übernommen hätten, und durch Spenden.

Aktuell seien zum Beispiel im Ausbildungszentrum einige neue Anschaffungen wie Schneiderpuppen und PCs nötig, da die staatlichen Anforderungen gestiegen seien. Die Vereine seien dankbar für jede Art der Unterstützung, da ja in diesem Jahr keine öffentlichen Veranstaltungen wie der alljährliche Gottesdienst für ausgeschlafene Christen mit Judith Scholz und anschließendem Basar stattfinden konnten und somit wichtige Einnahmequellen wegfielen.

Auch Sachspenden wie gut erhaltene Sommerkleidung für Babies, Kinder und Jugendliche, Taschen, Rucksäcke, Bettwäsche und Schulmaterialien seien willkommen. Toms Mutter schicke Ende Oktober wieder Pakete nach Ghana und sammle dafür. Hier bestände für alle Paten wieder die Möglichkeit, kleine Geschenke für die Patenkinder mitzugeben.

Gerne dürfe mit ihr Kontakt aufgenommen werden: Irmi Strick, 0176-62110058

Der Verein „Kindern Zukunft Geben Ghana e. V“. ist auch auf Facebook und Instagram vertreten und freut sich über Likes! So kann Jeder ganz einfach dazu beitragen, diese so wertvolle Arbeit bekannter zu machen.

Veröffentlichung im Heimat Echo Vallendar, Oktober 2020

Titelfoto: Tom und Judith